Montagvormittag an der Anmeldung einer Hausarztpraxis: Vor dem Tresen steht ein Patient, der kurz etwas klären möchte. Gleichzeitig klingelt das Telefon. Die MFA weiß, was jetzt eigentlich Vorrang hat: der Mensch, der gerade vor ihr steht. Das Telefon interessiert das allerdings wenig. Am anderen Ende wartet schließlich auch jemand, der etwas von der Praxis möchte.
Genau für solche Situationen gibt es einen KI-Anrufbeantworter für die Arztpraxis. Er nimmt Anrufe direkt entgegen, auch wenn mehrere gleichzeitig eingehen, fragt nach dem Anliegen und hält die wichtigsten Informationen strukturiert fest.
Ob das im Alltag tatsächlich spürbar Arbeit abnimmt oder nur für ein aufgeräumteres Telefon sorgt, hängt vor allem an einer technischen Frage: Kann das System mit Eurer Praxissoftware kommunizieren? Oder bleiben die Informationen zunächst außerhalb Eures Systems? Für uns ist genau das die Grenze zwischen einem KI-Anrufbeantworter und einem KI-Telefonassistenten. Welcher Anbieter wo einzuordnen ist, seht Ihr weiter unten in der Übersicht.
Unsere Empfehlungen für die Praxistelefonie
Welcher Telefonassistent zu Eurer Praxis passt, hängt vor allem davon ab, womit Ihr heute schon arbeitet. Deshalb unterscheiden wir zunächst zwei typische Situationen. Weitere Anbieter und deren Anbindungen findet Ihr anschließend in der großen Übersicht.
| Telefonassistent | Wann wir ihn empfehlen |
|---|---|
![]() | Wenn Ihr Doctolib bereits nutzt oder gerade eine Praxis gründet. Wenn Doctolib ohnehin schon bei Euch läuft, bleibt Ihr mit dem Telefonassistenten in derselben Produktwelt. Er nutzt die gleichen Einstellungen wie die Online-Terminbuchung, Termine landen im gleichen Kalender und Ihr müsst kein zusätzliches System mit Eurer bestehenden Lösung verbinden. Bei einer Neugründung ist die Ausgangslage etwas anders: Die Entscheidung für die Praxissoftware steht ohnehin an. Doctolib bietet inzwischen auch ein eigenes Praxisverwaltungssystem inklusive Abrechnung an. Hinzu kommt ein Vorteil, der gerade am Anfang interessant sein kann: Der Patientenstamm muss erst aufgebaut werden, und über die Doctolib-Plattform können Patienten selbst nach verfügbaren Terminen suchen. Über unseren Doctolib-Gutschein bekommt Ihr die Lösung vergünstigt, wenn Ihr das kostenlose Beratungsgespräch über uns bucht. |
![]() | Wenn bei Euch ein anderes Praxisverwaltungssystem läuft. Dann ist die Schnittstelle besonders wichtig. PraxisConcierge bringt laut eigener Angabe viele verschiedene Systeme zusammen und nennt mit 50 und mehr angebundenen Systemen die größte Zahl konkreter Anbindungen in unserer Übersicht. Anrufer können dabei erkannt und die Kommunikation auf Wunsch automatisch in der Patientenakte dokumentiert werden. |
Was ein KI-Anrufbeantworter in der Arztpraxis macht

Ein KI-Anrufbeantworter nimmt nicht einfach nur eine Nachricht auf. Er führt ein kurzes Gespräch mit dem Anrufer und fragt Dinge ab, die auch Eure Anmeldung wissen möchte: Name, Geburtsdatum und natürlich das eigentliche Anliegen. Geht es um einen Termin, kann er nach dem gewünschten Zeitraum fragen. Bei einer Rezeptbestellung wird beispielsweise nach dem Medikament gefragt. Am Ende steht eine verschriftlichte Anfrage, die nach Anliegen sortiert ist.
Für Euer Team bedeutet das zunächst vor allem eines: Die Anrufe kommen weiterhin, aber sie müssen nicht mehr jedes Gespräch am Empfang unterbrechen. Die gesammelten Anliegen können später abgearbeitet werden. Niemand muss dafür einen Patienten vor dem Tresen stehen lassen. Und weil ein digitaler Assistent mehrere Gespräche gleichzeitig annehmen kann, muss der Anrufer nicht darauf warten, dass gerade jemand frei wird.
Was Ihr dafür einrichten müsst
Technisch ist der Einstieg vergleichsweise unkompliziert. In der Telefonanlage wird die entsprechende Rufnummer weitergeleitet, der Assistent selbst läuft beim jeweiligen Anbieter. Eine zusätzliche App oder ein bestimmtes Smartphone braucht Ihr dafür nicht. Die Technik sitzt sozusagen vor Eurer Telefonleitung. Daher begegnet einem für diese Lösungen auch immer wieder die Bezeichnung „virtueller Anrufbeantworter“.
Etwas mehr Zeit steckt anschließend in der Einrichtung. Sprechzeiten müssen hinterlegt werden, ebenso Standardauskünfte und Regeln dafür, wann ein Anruf weitergeleitet wird. Wenn der Assistent selbst Termine buchen darf, kommt eine weitere wichtige Entscheidung hinzu: Welche Anliegen darf er tatsächlich abschließen und welche soll er nur aufnehmen? Soll das System zusätzlich mit Eurer Praxissoftware verbunden werden, muss auch diese Anbindung eingerichtet werden.
Anrufbeantworter, KI-Anrufbeantworter, KI-Telefonassistent: die drei Stufen
Die Begriffe KI-Anrufbeantworter und KI-Telefonassistent werden am Markt nicht immer sauber voneinander getrennt. Für eine Praxis macht der Unterschied aber einen ziemlich großen Unterschied: Am Ende geht es darum, ob Ihr nur eine ordentlich aufbereitete Liste bekommt – oder ob der Vorgang tatsächlich schon im eigenen System erledigt ist.
Stufe 1: Der klassische Anrufbeantworter
Hier wird schlicht eine Nachricht aufgenommen. Rückfragen gibt es nicht, ebenso wenig eine automatische Sortierung oder Priorisierung. Wenn der Anrufer seine Telefonnummer zu leise nennt oder nuschelt, habt Ihr im Zweifel Pech. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: Nachricht abhören, Informationen notieren und zurückrufen.
Stufe 2: Der KI-Anrufbeantworter
Hier wird tatsächlich ein Gespräch geführt. Die KI fragt nach, erkennt das Anliegen und sortiert die Informationen. In Eure Praxissoftware schreibt sie allerdings nicht. Das Ergebnis landet stattdessen im Dashboard des Anbieters oder beispielsweise in einem separaten Kalender. Von dort muss Euer Team die Informationen gegebenenfalls noch in das eigene System übernehmen.
Stufe 3: Der KI-Telefonassistent
Der KI-Telefonassistent geht noch einen Schritt weiter. Er kann die Aufgaben aus Stufe 2 übernehmen und zusätzlich direkt in die Praxissoftware beziehungsweise deren Terminkalender schreiben. Der Termin landet dann im Praxiskalender, ein bereits bekannter Patient kann erkannt und das Anliegen in seiner Akte dokumentiert werden. Bei Vorgängen, die das System selbstständig abschließen darf, entfällt damit auch die entsprechende Nacharbeit.
Es muss übrigens nicht zwingend KI sein. Eine Alternative ist ein externer Telefonservice für die Arztpraxis. Dabei nehmen geschulte Mitarbeiter die Anrufe für Euch entgegen. Wie sich ein solcher menschlicher Telefonservice gegenüber den digitalen Lösungen schlägt, haben wir in einem eigenen Vergleich betrachtet.
Die entscheidende Frage: schreibt das System in Eure Praxissoftware?
Genau hier zeigt sich, ob ein Telefonassistent wirklich Arbeit abnimmt oder einen Teil davon lediglich an eine andere Stelle verschiebt. Wenn die Anbindung funktioniert, kann der Termin direkt im Praxiskalender landen und das Anliegen in der Patientenakte. Gibt es keine entsprechende Schnittstelle, bleiben die Informationen außerhalb Eurer Praxissoftware. Dann solltet Ihr genau wissen, wie Ihr sie anschließend in Euer PVS (Praxisverwaltungssystem) bekommt.
Redaktioneller Tipp: Wenn bei Euch ohnehin ein Wechsel der Praxissoftware ansteht, lohnt sich der Blick auf die Praxissoftware im Vergleich. Dort könnt Ihr die Frage nach der Telefonanbindung gleich mit in die Auswahl nehmen.
Wir haben deshalb allen Anbietern mit eigener Anbieterseite bei uns dieselbe Frage gestellt: Zu welchen Praxisverwaltungssystemen gibt es Schnittstellen und welche Daten werden darüber tatsächlich übertragen? Die folgende Übersicht basiert auf den Antworten der Anbieter und den jeweiligen Integrationsseiten. Bei Doctolib liegt uns keine Interviewantwort vor; hier beziehen sich die Angaben auf die Informationen des Herstellers. Es handelt sich also durchweg um Herstellerangaben, die wir so wiedergeben, wie sie uns vorliegen. Stand der Übersicht ist September 2026.
Ein Begriff taucht dabei gleich bei mehreren Anbietern auf: GDT. Dahinter steckt ein Schnittstellenstandard des Qualitätsrings Medizinische Software, über den Praxissoftware mit anderen Programmen Daten austauschen kann. Das ist praktisch, weil GDT vergleichsweise weit verbreitet ist. Allerdings ist die Schnittstelle eher dafür gedacht, Daten zu übertragen, als einen kompletten Buchungsvorgang während eines laufenden Telefonats abzubilden. Und auch hier gibt es eine wichtige Voraussetzung: Wie VITAS im Interview offen anspricht, muss der Hersteller Eures PVS die entsprechende Schnittstelle überhaupt geöffnet haben. Klärt das deshalb am besten, bevor Ihr Euch für einen Anbieter entscheidet.
Wenn Ihr mobil unterwegs seid: Am besten das Handy drehen für eine optimale Tabellen-Darstellung.
| Anbieter | Einordnung | Anbindung an die Praxissoftware | Was im Gespräch passiert und wo das Ergebnis landet |
|---|---|---|---|
| DocMedico | hängt vom PVS ab | GDT-Anbindung. Laut Anbieter bestehen Schnittstellen zu vielen gängigen Systemen, namentlich genannt wird keines. | Rezeptbestellungen, Terminvereinbarungen, Rückrufbitten und Auskünfte werden erfasst und in der DocMedico-Plattform bereitgestellt. |
| Doctolib | KI-Telefonassistent | Teil des Doctolib-Systems, eine Anbindung an fremde Praxissoftware nennt der Hersteller nicht. | Termine werden im Gespräch in persönliche, anonyme und Ressourcenkalender gebucht, mit denselben Einstellungen wie die Online-Buchung. |
| Dr.wait | KI-Telefonassistent | Live-Synchronisation in beide Richtungen laut Anbieterdokumentation mit tomedo, T2med, Medical Office, DATA AL und dem CGM PRAXISTIMER. Rund 40 weitere Systeme, darunter alle medatixx-Ausgaben, sind per GDT angebunden. | Termine werden im Gespräch auf konkrete Patienten im PVS gebucht. Rezept- und Überweisungsanfragen werden zur Bearbeitung hinterlegt. |
| Fonpilot | KI-Anrufbeantworter | Nach Anbieterangabe kein natives PVS-Plugin. Für den Weg über SOAP und XML, zwei technische Anbindungen, die eingerichtet werden müssen, nennt der Anbieter Medistar, Turbomed und CGM M1. | Termine werden laut Anbieter im Gespräch gebucht, allerdings in einen angebundenen Kalender wie Google Calendar. Bestätigungen laufen danach über E-Mail oder WhatsApp. |
| Klara | keine Angabe | Nennt kein Praxisverwaltungssystem namentlich (Stand September 2026). | Terminwünsche werden aufgenommen, Rückrufbitten und Gesprächszusammenfassungen an das Team übergeben. |
| medflex | hängt vom PVS ab | Über die GDT-Schnittstelle nach Anbieterangabe mit fast allen PVS kompatibel. Der Anbieter beschreibt sich als Automatisierungsschicht über dem bestehenden PVS; tiefere Integrationen werden nicht namentlich genannt. | Termine und Folgerezepte werden im Gespräch aufgenommen, die Anfragen laufen danach in einer zentralen Übersicht zusammen. |
| Mediform | KI-Telefonassistent | Liest und schreibt nach Anbieterangabe direkt in der Praxissoftware. Genannt werden Duria, Medical Office, medatixx und samedi; die Integrationsseite nennt über 15 Systeme in Deutschland. Alternativ steht ein eigener Praxiskalender bereit. | Termine und Rezepte werden im Gespräch aufgenommen und laut Anbieter automatisch in die angebundene Praxissoftware geschrieben. |
| Ordicall | KI-Anrufbeantworter | „Aktuell bestehen noch keine fixen Schnittstellen zu gängigen Praxisverwaltungssystemen.“ Der Anbieter baut sie nach eigener Aussage sukzessive auf und realisiert bei offenen Schnittstellen auf Anfrage eine Anbindung. | Termine werden laut Anbieter je nach Praxiswunsch gebucht, allerdings in einen angebundenen Kalender wie Google Calendar. Die Anrufe landen kategorisiert im Ordicall-Dashboard. |
| PraxisConcierge | KI-Telefonassistent | Nach Anbieterangabe 50 und mehr Praxisverwaltungssysteme, darunter tomedo, T2med, medatixx und Medical Office, mit Patientenerkennung. | Anliegen werden auf Wunsch automatisch in der Patientenakte dokumentiert. Für ausgewählte Systeme wird der Termin schon im Gespräch gebucht. Die freie Gesprächsführung ohne Tastendruck und die Terminbuchung sind laut Preisseite Zusatzmodule. |
| VITAS | KI-Telefonassistent | Nach Anbieterangabe Integrationen zu medatixx, samedi und tomedo sowie zu mehreren Online-Rezeptionen. | Termine werden in den Praxiskalender eingetragen, andere Anliegen laufen als Aufgabe in die VITAS-Plattform. |
Am meisten Arbeit kann Euch ein System abnehmen, wenn es tatsächlich in die Praxissoftware schreiben kann und dabei konkret nennt, welche Systeme unterstützt werden. Dr.wait bucht Termine nach eigener Angabe während des Gesprächs direkt auf konkrete Patienten. Mediform liest und schreibt nach eigener Angabe unmittelbar in der Praxissoftware. Bei PraxisConcierge ist die Buchung im Gespräch für ausgewählte Systeme möglich. VITAS gehört grundsätzlich ebenfalls in diese Gruppe, nennt allerdings nur drei Systeme konkret. Doctolib erreicht dasselbe innerhalb des eigenen Systems – setzt dafür aber natürlich Doctolib voraus.
Daneben gibt es Anbieter, die stärker über einen Schnittstellenstandard arbeiten. medflex und DocMedico setzen auf GDT und können damit nach eigener Angabe einen großen Teil der gängigen Systeme erreichen, ohne diese im Einzelnen aufzuzählen. Was das für Eure Praxis bedeutet, hängt deshalb stark vom eingesetzten PVS ab. Bei Klara wird überhaupt kein System namentlich genannt. Daraus lässt sich weder eine positive noch eine negative Aussage ableiten – hier solltet Ihr einfach konkret nach Eurem eigenen PVS fragen.
Fonpilot und Ordicall sind in unserer Einteilung die beiden klareren Fälle ohne direkte Praxissoftware-Anbindung. Fonpilot nennt für den technischen Weg über SOAP und XML zwar Medistar, Turbomed und CGM M1, weist aber selbst darauf hin, dass kein natives PVS-Plugin vorhanden ist. Die Terminbuchung erfolgt stattdessen in einem allgemeinen Kalender. Bei Ordicall ist die Aussage noch eindeutiger: Feste Schnittstellen zu gängigen Praxisverwaltungssystemen gibt es aktuell noch nicht, sie sollen nach und nach aufgebaut werden. Deshalb ordnen wir beide hier als KI-Anrufbeantworter ein. Das Gespräch übernimmt die KI, den letzten Schritt ins PVS muss das Team erledigen.
Ein öffentliches und vollständiges Verzeichnis aller Anbieter konnten wir nicht finden. Weitere Systeme sind uns bei der Recherche begegnet, wurden von uns aber nicht im gleichen Umfang geprüft. In unserer Übersicht steht beispielsweise mit CallOne ein Anbieter, von dem uns zu dieser konkreten Frage keine Antwort vorliegt. Auch beim Thema Gesprächsqualität gibt es keine wirklich vergleichbaren Herstellerangaben dazu, wie gut die Systeme mit Dialekten, Hintergrundgeräuschen oder einer schlechten Telefonverbindung umgehen. Wenn Euch das wichtig ist, führt deshalb kein Weg an einem eigenen Test vorbei.
Die Fragen, die Ihr dem Anbieter stellen solltet
Die Frage „Habt Ihr eine Schnittstelle zu meinem PVS?“ klingt zunächst eindeutig, lässt aber ziemlich viel Interpretationsspielraum. Besser ist es, im Gespräch konkreter zu werden:
- Bucht das System einen Termin auf einen namentlich bekannten Patienten in unseren Kalender, während der Anrufer noch in der Leitung ist?
- Für welche Ausgabe unserer Praxissoftware gilt die Schnittstelle? Hinter einem Produktnamen stehen oft mehrere Programmvarianten.
- Landet ein Anliegen als Aufgabe zur Freigabe oder unmittelbar als Eintrag in der Patientenakte? Die Karteikarte ist Eure Behandlungsdokumentation, und Ihr entscheidet, wer darin schreibt.
- Kann das System unterschiedliche Termindauern je Anliegen vergeben, oder trägt es jeden Termin in denselben Slot?
- Werden auch Krankschreibungen als eigenes Anliegen erkannt? Montags ist das eines der häufigsten Telefonate, und die wenigsten Anbieter führen es in ihrer Beschreibung auf.
- Was passiert, wenn ein Notfall als Terminwunsch daherkommt („mir ist so komisch, es drückt auf der Brust“)? Und was hört ein Anrufer außerhalb der Sprechzeiten, wird auf 116117 und im Ernstfall auf 112 verwiesen?
- Was passiert, wenn die KI nicht weiterkommt oder jemand ausdrücklich einen Menschen verlangt?
- Wie viele Anrufe nimmt das System gleichzeitig an, und wovon hängt diese Zahl ab?
- Kann unsere Praxismanagerin Sprechzeiten, Urlaub und Ansagen selbst ändern, oder läuft jede Änderung über den Anbieter?
- Was passiert mit Faxen, die auf derselben Rufnummer eingehen?
Und dann kommt der wichtigste praktische Test: Bittet den Anbieter um eine Vorführung mit Eurem eigenen Praxisverwaltungssystem.
Wann eine Lösung ohne Anbindung genügt
Die Schnittstelle entscheidet darüber, wie viel Nacharbeit übrig bleibt. Für die Entlastung am Empfang ist sie aber nicht unbedingt entscheidend. Wenn der eigentliche Grund für die Anschaffung darin liegt, dass das Telefon ständig dazwischenfunkt, kann bereits ein System ohne PVS-Anbindung viel bringen.
Eine solche Lösung kann besonders interessant sein, wenn Ihr die Terminvergabe ohnehin bewusst bei Eurem Team lassen wollt. In einer Praxis mit offener Sprechstunde und bewusst freigehaltenen Akutplätzen entscheidet die MFA anhand des Anliegens, wie viel Zeit benötigt wird und wo der Termin sinnvoll untergebracht werden kann. Wenn Ihr trotzdem automatisch Termine buchen lassen möchtet, solltet Ihr beim Anbieter nachfragen, ob Akutplätze ausgespart und unterschiedliche Termindauern je Anliegen hinterlegt werden können. Und wenn Euer PVS gar keine passende Schnittstelle öffnet, bleibt ohnehin der Weg über das Dashboard. Auch damit lässt sich arbeiten.
Was die Rechnung treibt
Bei den Kosten lohnt es sich, nicht nur auf den ersten Preis zu schauen. Entscheidend ist das gesamte Preismodell. Häufig gibt es einen Grundpreis pro Behandler, einen Grundpreis pro Standort oder einen Grundpreis, in dem bereits eine bestimmte Zahl an Gesprächsminuten enthalten ist. Jede weitere Minute wird dann separat berechnet. Was davon für Euch am günstigsten ist, hängt letztlich davon ab, wie viele Anrufe Ihr habt und wie viele Behandler und Standorte beteiligt sind.
Rechnet deshalb am besten einmal mit Euren tatsächlichen Zahlen. Ein günstiger Grundpreis kann bei vielen Gesprächsminuten schnell weniger attraktiv aussehen. Auch einmalige Einrichtungsgebühren gehören in die Rechnung. Dasselbe gilt für Zusatzmodule wie ein Website-Widget, falls Ihr so etwas benötigt. Die Anbieter, deren Preise wir erhoben haben, nennen diese netto. Die Umsatzsteuer kommt also noch dazu. Die Preise der meisten Anbieter findet Ihr in unserem Vergleich der KI-Telefonassistenten für die Praxis.
Wo der Assistent an Grenzen stößt
Am Praxistelefon geht es nicht immer nur um Patienten. Auch Apotheken rufen wegen einer Rezeptfrage an, Pflegedienste brauchen eine Rückmeldung, Labore melden unter Umständen einen auffälligen Befund und Kliniken kontaktieren die Praxis im Zusammenhang mit einer Entlassung. Solche Gespräche sollten nicht einfach in einer Warteschlange im Dashboard verschwinden. Klärt deshalb vor der Einrichtung, welche Rufnummern oder Anrufer der Assistent direkt an Euer Team weiterleiten soll.
Auch rechtlich gibt es einen Punkt, den Ihr bei der Auswahl nicht ausklammern solltet. Anhang III der KI-Verordnung führt die Bewertung und Klassifizierung von Notrufen sowie die Triage von Patienten in der Notfallversorgung als Hochrisiko-Anwendungen auf, für die zusätzliche Pflichten gelten. Je stärker ein Assistent also selbst einschätzt, wie dringend ein Anliegen ist, desto genauer solltet Ihr Euch anschauen, wie diese Einschätzung verarbeitet wird und wie der Fall an Euer Team weitergegeben wird.
Häufige Fragen zum KI-Anrufbeantworter für die Arztpraxis
Was ist der beste KI-Anrufbeantworter für die Praxis?
Das kommt darauf an, was Ihr vom System erwartet. Wenn Ihr die Anliegen anschließend selbst in Eure Praxissoftware übernehmt, kann ein KI-Anrufbeantworter völlig ausreichen. Dann sind vor allem die Qualität der Gespräche und der Preis entscheidend. Wenn der Assistent dagegen selbst in Euer PVS schreiben soll, braucht Ihr einen KI-Telefonassistenten mit passender Anbindung. Nutzt Ihr bereits Doctolib, empfehlen wir den Doctolib-Telefonassistenten. Wenn bei Euch ein anderes Praxisverwaltungssystem läuft, ist PraxisConcierge unsere Empfehlung. Die Gründe dafür haben wir weiter oben beschrieben.
Eignet sich das auch für MVZ und Kliniken?
Ja. Gerade bei einem MVZ oder einer größeren Einrichtung wird die Anbindung allerdings noch wichtiger. Wenn mehrere Behandler und vielleicht auch mehrere Standorte über dieselbe Rufnummer erreichbar sind, wird es schnell aufwendig, die Informationen aus einem externen Dashboard anschließend den richtigen Kalendern zuzuordnen. Prüft deshalb zusätzlich, ob der jeweilige Anbieter mehrere Standorte und Fachrichtungen unter einem Zugang abbilden kann.
Erfahren Patienten, dass sie mit einer KI sprechen?
Das hängt von der jeweiligen Einrichtung und den Möglichkeiten des Anbieters ab und sollte vor dem Start geklärt werden. Fonpilot führt einen entsprechenden Hinweis zu Gesprächsbeginn ausdrücklich unter seinen Datenschutzmaßnahmen auf. VITAS schlägt für die Einrichtung eine Begrüßung vor, in der der Assistent benannt wird. Wie die anderen Anbieter damit umgehen, solltet Ihr direkt erfragen. Und selbst wenn der Hinweis sauber eingerichtet ist, bleibt eine andere Frage offen: Kommt die Stimme bei Euren Patienten gut an? Gerade bei älteren Menschen lässt sich das letztlich nur im echten Test herausfinden.
Fazit
Die Schnittstelle ist ein Punkt, den viele erst nach der Unterschrift genauer anschauen. In einer Demo lässt sich schnell feststellen, ob die Stimme angenehm klingt und die KI vernünftig auf Fragen reagiert. Was danach tatsächlich an Arbeit übrig bleibt, sieht man dabei allerdings nicht unbedingt.
Überlegt deshalb zuerst, wie viel Ihr überhaupt automatisieren möchtet. Soll das System selbst in Eure Praxissoftware schreiben? Dann ist die passende Schnittstelle ein entscheidendes Auswahlkriterium. Wenn Ihr die Terminvergabe ohnehin lieber selbst in der Hand behalten wollt, könnt Ihr diesen Punkt deutlich entspannter sehen. Dann kommt es vor allem darauf an, dass die Anfragen zuverlässig und übersichtlich bei Euch ankommen.
Wenn eine direkte PVS-Anbindung gewünscht ist, ist der nächste Schritt klar: Schaut zuerst, welches Praxisverwaltungssystem bei Euch läuft, und prüft dann, welche Anbieter genau dieses System nennen. Nicht „viele PVS“, nicht „kompatibel mit gängigen Systemen“, sondern möglichst konkret Euer eigenes.
Wenn Ihr die Auswahl etwas schneller eingrenzen möchtet, ohne die komplette Übersicht Zeile für Zeile durchzugehen, könnt Ihr unseren Schnell-Check nutzen. Er fragt in fünf Schritten unter anderem ab, welche Praxissoftware Ihr einsetzt, und zeigt Euch anschließend die Systeme, die dazu passen.


